BIODIESEL – ÖKO-TREIBSTOFF DER ZUKUNFT ODER BIOSCHWINDEL?

Ozonloch, El Nino, Polschmelze, weltweite Klimakatastrophen. Die Reduktion der Treibhausgase scheint dringender denn je. Nun will auch der österreichische Landwirtschaftsminister Molterer sein Scherflein beitragen: In Zukunft soll herkömmlichem Dieseltreibstoff verpflichtend ein zweiprozentiger Anteil an "Biodiesel" beigemischt werden. "Ein maßgeschneidertes Projekt" für die Einhaltung des Kyoto-Abkommens, so Molterer. Und ein Plan, der zwar in der Theorie gut klingt, in der praktischen Umsetzung jedoch einige Mängel aufweist.


Tödliches "Schwarzes Gold"

Tatsache ist, daß die industrialisierten Länder ihre Energie zu einem Großteil aus fossilen Energieträgern – Erdöl, Erdgas, Kohle – beziehen. In Österreich etwa decken sie rund drei Viertel des Energieaufkommens ab. Weltweit wird pro Jahr so viel Erdöl verbraucht, wie in einer Million Jahren entstanden ist; das Ausmaß der Übernutzung ist gigantisch. Erdölausbeutung birgt zudem zahlreiche soziale, politische und ökologische Probleme. Die Machtkonzentration internationaler erdölfördernder und – verarbeitender Konzerne ist kaum überschau- oder kontrollierbar. Sie kaufen Regierungen, bezahlen Söldner, verstoßen gegen Menschenrechte und Gesetze – wie zum Beispiel in Nigeria und Angola. Wie sonst ließe es sich erklären, daß diese erdölreichen Länder gleichzeitig zu den ärmsten der Welt zählen? Die Erdölförderung wird zunehmend energieaufwendiger und brutaler. Wo klassische Bohrtürme nicht mehr ausreichen, werden aggressive Chemikalien eingesetzt – hochgiftige und hochexplosive Gemische entstehen.

Das "schwarze Gold" zieht eine schmutzige Spur. Bilder von riesigen Ölseen, ölverklebten Wasservögeln, vergifteten Fischen und verseuchten Stränden erschüttern die Welt.

Raus aus dem Erdöl-Sumpf

Es müssen schleunigst Wege gesucht werden, um aus dem Erdöl-Schlamassel herauszukommen. Während sich in bestimmten Bereichen (Stromerzeugung, Heizung) erneuerbare Energieträger teilweise bereits durchsetzen können, ist ein Bereich nach wie vor vom fossilen Rohstoff Erdöl praktisch zu 100 Prozent abhängig: Der Straßenverkehr. Und der macht immerhin rund ein Viertel des österreichischen Energieeinsatzes aus. Transport und Verkehr sind zweifelsohne zentrale Probleme in industrialisierten Gesellschaften. Die Belastungen für die Menschen an Transitrouten und in Ballungsräumen haben das erträgliche Maß seit langem überschritten. Immer mehr Kilometer in immer kürzeren Zeiten werden zurückgelegt, der Verkehr steigt nach wie vor drastisch an. Prognosen aus dem Verkehrsministerium sprechen von einer Verfünffachung des Güterverkehrs bis 2013. Gar keine Frage, daß weder das Verkehrsproblem noch das CO2-Problem durch neue, ökologischere Treibstoffe gelöst werden können. Dennoch ist die Entwicklung von Alternativen zum benzin(Erdöl-)betriebenen Auto ein wichtiger Schritt, um die bedingungslose Abhängigkeit vom Erdöl – mit all den damit verbundenen ökologischen und sozialen Problemen – zu durchbrechen. Und genau dieser Gedanke liegt der Entwicklung von Biodiesel zugrunde.

Was ist Biodiesel?

Biodiesel ist ein chemisches Umwandlungsprodukt von natürlichen Ölen mit Methanol, einem industriell hergestellten Alkohol. Als Grundstoff wird in Österreich derzeit vorwiegend Rapsöl eingesetzt, in geringem Ausmaß wird auch Altspeiseöl verwendet. Biodiesel kann in herkömmlichen Dieselmotoren ohne technische Änderungen eingesetzt werden und ist fossilem Diesel technisch gleichwertig.

Die Vorteile von Biodiesel sind beträchtlich. Einerseits können die Bauern ihre eigenen Rohstoffe – zum Beispiel Raps – verarbeiten und auch selbst wieder einsetzen (Stichwort "ökologischer Kreislauf"; es fallen keine Transportkosten an etc.). Andererseits sprechen auch harte Zahlen für Biodiesel: Biodieselabgase enthalten 17 Prozent weniger Kohlenmonoxid, 46 Prozent weniger Kohlenwasserstoffe, 52 Prozent weniger Ruß und 36 Prozent weniger Partikel als Abgase von konventionellem Diesel. Biodiesel wird in 21 Tagen zu 99 Prozent abgebaut und ist im allgemeinen auch bei Unfällen nicht wasser- oder grundwassergefährdend. Weitgehend herrscht auch Übereinstimmung darüber, daß die Energiebilanz von Biodiesel eine positive ist. Das heißt, daß zur Produktion von Biodiesel (inklusive Rapsanbau, Düngemittelproduktion etc.) weniger Energie aufgewendet werden muß, als im fertigen "Produkt" Biodiesel drinnensteckt.

Der Beitrag von Biodiesel zum Klimaschutz – etwa durch die verminderten CO2-Emissionen – fällt im Vergleich zu anderen Maßnahmen (verbesserte Wärmedämmung von Häusern, Biomasseheizungen etc.) aber bescheiden aus. Hier kann eine Verbesserung allenfalls durch den vermehrten Einsatz von Altspeiseölen und durch den Anbau robusterer Ölsaaten wie zum Beispiel Leindotter erreicht werden. Denn die gravierendste ökologische Schwachstelle von Biodiesel ist der Pestizideinsatz beim Rapsanbau.

Chanche für die Landwirtschaft

Österreich ist zwar in der technologischen Entwicklung weltweit führend – Biodieselanlagen werden unter anderem in die USA exportiert – den technischen Erfolgen steht allerdings der kommerzielle Stillstand in Österreich gegenüber.

1998 wurden in Österreich bei einer Produktionskapazität von 40.000 Tonnen nur rund 19.000 Tonnen Biodiesel erzeugt. Der Grund dafür: In der EU wurden die landwirtschaftlichen Förderungen so verändert, daß nun der großflächige Anbau zur Biodieselproduktion für die Bauern unattraktiv geworden ist. Auch auf der Absatzseite sieht es mager aus. Rund 42 Prozent der – ohnehin bescheidenen – Produktion werden exportiert. Mit der verpflichtenden Beimischung von Biodiesel zu herkömmlichem Diesel will der Landwirtschaftsminister neue Absatzmärkte für landwirtschaftliche Produkte schaffen. Verständlich, stehen doch seit Jahren europaweite Lebensmittelüberproduktion, Preisverfall und Bauernsterben ungelöst auf der politischen Tagesordnung. Und angesichts der geplanten EU-Osterweiterung ist mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen.

Ökologisches Pantschen

Aus ökologischer Sicht ist die Beimischung allerdings die schlechteste Variante. Denn Biodiesel mit normalem Diesel zu vermischen ist etwa so sinnvoll, wie schlechten Wein mit gutem zu vermengen: Es ist schade um den guten Wein. Durch die Beimischung zu normalem Diesel gehen die positiven Seiten von Biodiesel weitestgehend verloren, was bleibt ist ein bescheidener Beitrag zur CO2-Reduktion. Und nach aktuellen Schätzungen könnten ohnehin nur maximal drei bis vier Prozent des derzeitigen Dieselverbrauches durch heimischen Biodiesel ersetzt werden. Biodiesel sollte besser in den Bereichen eingesetzt werden, in denen er seine ökologischen Vorteile – vor allem seine geringe Ökotoxizität – voll ausspielen kann: bei Maschinen zur Waldarbeit, im Schiffsverkehr auf Seen, bei der Elektrizitätserzeugung in hochalpinen Regionen. Alleine diese "Nischen" bieten ein Absatzpotential von 50.000 Tonnen. Mengenmäßig entspricht dies der Beimischung von ca. 1,5 Prozent Biodiesel zu konventionellem Diesel, würde aber weit mehr ökologische Vorteile als die Beimischvariante mit sich bringen.