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172 29.12.2006 19:07 Andy

Betreff: Der Ruß in diversen Medien

Seit geraumer Zeit verfolge ich die mediale "Berichterstattung" über das Thema Feinstaub. Mir ist zwar schon lange bewusst, dass recherchieren für die dort beschäftigten "Journalisten" ein Fremdwort ist, doch der Ruß, den sie zu diesem Thema auf den Boulevard legen, übertrifft selbst den in sonstigen Artikeln ausgelebten katholischen Fundamentalismus.
 
Die Glaubensbruderschaft der Dieseljünger findet in diesen Zeitungen stets "Argumente" vor, die geschickt vom Problem ablenken und es in einer Art und Weise verharmlosen, die in Österreich eigentlich nicht mehr stattfinden dürfte.
 
Der in solchen Medien weit verbreitete sekundäre Analphabetismus, der übrigens von Sprachflachisten wie Wolf Schneider gepredigt wird, behindert natürlich das Verstehen komplexerer Zusammenhänge. So wird in banalen Hauptsatzwürsten nicht zwischen Dieselruß und Staub unterschieden, was die Verdummung und daran anknüpfende Bagatellisierung des Themas Dieselabgase weiter voranschreiten lässt.
Darüber hinaus bedienen solche Blätter primitivste Reflexe gegenüber anderen Ländern. Fühlt sich ein Volk anderen Völkern überlegen, so wurde es nachhaltig geblendet. Während nun also viele Österreicher dem (deutschen) Dieselwahn erliegen, sind fahrende Krebsschleudern woanders nahezu undenkbar.
 
Lässt sich die Presse nun in die Propagandamaschinerie der Konzerne und des dazugehörigen Wurmfortsatzes in Form mancher Clubs einspannen, so macht sie sich mitschuldig und die Ausrede nichts gewusst zu haben wird in einigen Jahren natürlich nicht gelten, denn wer die Augen offenhält, den Kopf gebraucht und sich um Wissen (nicht nur Information) bemüht, kann heute sogar sehr leicht herausfinden, dass es bei Partikeln auf ihre Zusammensetzung und ihre Größe ankommt. Wer weiterhin Dieselruß mit Staub vergleicht, sollte (Vorsicht Provokation) andererseits wenigstens konsequent sein und nach Tschernobyl ziehen, um die Stichhaltigkeit der üblichen Argumente am eigenen Leib zu erfahren, denn der verkündeten Denkweise zufolge dürften dann doch die radioaktiven Partikel, die sich bei den Menschen dort im Knochenmark ablagern, nichts im Vergleich zum Blütenstaub hierzulande sein.
 
Darüber hinaus fällt mir auf, dass neben all den Ablenkungsmanövern weitere Schadstoffe überhaupt verschwiegen werden, so wie die NOx, die bei Euro 5 immer noch dreimal höher sein dürfen, wenn ein Auto nicht mit Benzin, sondern mit Diesel betrieben wird. Das stellt zwar einen Fortschritt dar, ist aber letztenendes wieder ein Kniefall vor Lobbys. Mit welchem Recht nehmen diese überhaupt Einfluss auf unsere Lebensumstände? Hat sie denn irgendjemand gewählt? Der Dieselkarren, vor den sich eine zahnlose Politik da spannen lässt, ist zutiefst undemokratisch, sorgt aber für nette Einnahmen, ob nun als Netz und doppelter Boden, wenn der eine oder andere nach dem Karriereende zum Frühstücksdirektor wird - ober bereits zuvor in Amt und Würden in Form völlig ungeeignerter Verordnungen (siehe Graz, siehe Klagenfurt), die, wie hier bereits erwähnt, das Problem nicht lösen, sondern lediglich Geld in die Kassen spülen. Unterstützt wird dieses unwürdige Schauspiel leider durch den allgegenwärtigen medialen Marktschrei, der nicht differenziert und keineswegs über die Gefahren, die von Dieselautos ausgehen, aufklärt. Wenn die "vierte Macht im Staat" in derartíger Manier vor Inserenten kuscht und immer noch einen Lobgesang auf Diesel-PKWs veranstaltet, so ist das äußerst bedauerlich.
 
Grüße,
Andy